von Steffi Kessler

Auf Wunsch der Bevölkerung veröffentlichen wir gerne die 1. August Rede von Steffi Kessler, Stadträtin Baden:

Liebi Ännetbadnerinne und Ännetbadner
Liebi Kolleginne und Kollege
Liebi 1. Auguscht-Fiirendi

731 Jahr Eidgenosseschaft - au vo minere Siite herzlich willkomme zu dä diesjährige Ännetbadner 1. Auguscht-Fiir da ufäm Poschtplatz. Als Badener Stadtrötin freu ich mich sehr, hüt da, be eusne Nachbere z’Gascht z‘sii und mit Ihne zäme uf eusi Heimet aaz‘stosse - danke viel Mal für d‘Iiladig.

Ich bin nüüni gsi, wo mir min Vater d‘Schwiizergschicht verzellt hät. Sie hät mich sofort ii ihre Bann zoge und ich han alles welle wüsse. Plötzlich bin ich schampar stolz uf min Heimetort gsi. Schliesslich chum ich ja eigentlich vo zmizt ine, nämlich vo Galgene im Kanton Schwyz! Ich ha mich fascht gfühlt, als wär ich damals au debi gsi bim Rüütlischwuur: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, zuegeh, d’Schwöschtere händ damals no kei grossi Rolle gspillt, aber als Chind isch mer das nonig so uufgfalle. Au ich hätt äm Landvogt Gessler (nöd Kessler) mit dä Armbruscht dä Gar usgmacht, wenn ich d’Glägeheit dezue gha hetti - Durch diese hohle Gasse muss er kommen… Es führt kein anderer Weg nach Küssnacht…

Zum Ärger vo mine Mitschüelerinne und Mitschüeler han ich dänn sogar freiwillig än Vortrag zu däm Thema ghalte. Ich han ei Hellruumprojäkterfolie nach dä andere anechlöpft, us de Gschicht zitiert und i mine eigene Wort und voller Begeischterig verzellt. Ja, sogar gschwärmt hani vom Wilhelm Tell. Er isch für mich dä MacGyver under dä Eidgenosse gsi. Das händ mini Gschpöndli glaub no rächt spannend gfunde. Dass sie dänn aber au alli händ müesse a d’Säck, well mini Lehrerin gfunde hätt, dass das ja so än guete Afang für ä Vortragsreihe wär, händ sie mir scho chli übel gno. Aber ebe: Was macht mehr nöd alles für sis Vaterland, für d’Helvetia?

Vo det aa hät für mich dä Fiirtig, de 1. Auguscht, plötzlich än anderi Bedüütig gha. Es isch nöd nume drum gange, 1. Auguscht-Wegge z’ässe, möglichscht viel Raggettli abz’lah und sich d’Finger adä bengalische Zündhölzli z’verbränne. Es hät mir Iidruck gmacht, dass sich eusi muetige Vorfahre für Freiheit und Unabhängigkeit stark gmacht händ - au wenn ich natürli mit de Ziit glehrnt han, dass das mit em Wilhelm Tell ja e wunderbari Erfindig vomene Dütsche gsi isch. Aber wie seit mer so schön: Se non è vero è ben trovato. Au wänns de muetigi Tell so nöd gäh hätt, so isch es doch e Tatsach, dass sich d’Eidgenosse zäme für öppis iigsetzt händ, wo hüüt no euses Läbe prägt. Öppis, wo eus einzigartig macht. Aber semmer würlki immer no uf em „Weg der Schweiz“ Hand in Hand underwägs, so wie damals Uri, Schwyz und Unterwalde? Sitzed mer zäme ii eis Boot und entscheidet, trotz verschiedene Bedürfnis, wo mer hiruedere wänd? Und zwar so, dass mer „dem Sturm auf dem Urnersee“ entchömmed, und eus nöd met ämä Sprung uf d‘Tellsplatte müend rette? Wagemers au mal wieder Stellig z’bezieh? Dä Huet nöd z‘grüesse? Loset mer enand no zue? Leider bin ich nöd eso sicher - es chunnt mer vor, wie wänn mer im Momänt ehner usenand drifted, statt zäme stönd. Und das macht mer scho chli Sorge.

Sie dänked jetzt villicht: Typisch SP, isch ja klar, dass die so öppis seit. Us minere Sicht sind d’Sorge über die gsellschaftlichi Entwicklig aber nöd primär ä politischi Attitüde, sondern es goht um öppis sehr mänschlichs. Ich froge mich immer wieder: Chönntemer nöd meh erreiche, wänn mer enand wieder meh zueloset? Isch äs dänn mängisch nöd eifach au spannend zum wüsse warum öpper anderscht dänkt? Das erwiitered doch die eigeni Sichtwiis und heisst au nöd, dass mer immer muess gliicher Meinig sii. Aber villicht find mer dänn plötzlich än gmeinsame Nänner, gaht en Schritt ufenand zue und merkt: Stimmt eigentlich, das han ich mir so bis jetzt gar nöd überleit.

Kei Angscht, ich gibe Ihne jetzt nöd än Masterplan wie mer zäme zu meh Wältfriede findet. Ich han die Gedanke mit Ihne eifach welle teile, well ich würklich dra glaube, dass eus das chönnti hälfe: idä Familie, ii Fründschafte, unter Nachbere, bim Schaffe und au wänns drum gaht ä Stadt oder ä Gmeind z‘regiere. Ich sälber versuechs, chan aber definitiv nöd behaupte, dass mir das immer glingt. Sie müend wüsse, ich bin idä Familie Kessler ufgwachse: Vodä italienische Grossmuetter, über dä SVP-Vater bis zudä Sozi-Tochter isch klar gsi: Alli händ ä Haltig, und dänn nöd öppe di gliich. Es hät nöd sälte härti Diskussione gäh am Tisch. Und äs hät au nöd sälte damit gändet, dass öpper wuetentbrannt d’Türe gschletzt hät und nie, aber würklich nie meh öppis mit dä andere hät welle z’tue ha. Churz vor em ändgültige Bruch hämmer eus dänn aber immer wieder gfunde und dänn, nächäm begrabe vom Chriegsbeil bimene gmeinsame Ässe, gmerkt: So wiit usenand sind mer eigentlich gar nöd gsi. Und: Mer sind enand wichtig, au wenn mer verschiedeni Meinige händ.

Ich bin öpper wo dä Sach gern uf de Grund gaht, au emol hinder Kulisse luegt. Es nimmt mich wunder, was ii andere Chöpf vorgaht. Au ii sönige, wo ich devo uusgange, dass sie grad ii gägegsetzti Richtige dänket. Solang mer chönnd zäme an Tisch sitze, heftig diskutiere (Ich han italienischs Bluet, Sie möged sich erinnere, Galgene Schwyz hin oder her) und eus trotzdem au nachäm Bier no chönnd i d’Auge luege, isch die Wält doch wenigschtens ame chline Ort in Ordnig. Und villicht hät sich noch somä Gspröch s‘eigene Wältbild sogar ganz äs bitzeli veränderet. Well: Hinter dem Horizont geht es weiter, au hinter äm eigene.

Drum wünsch ich mir für d’Schwiiz, für eusi Gsellschaft und für eus alli, dass mer eus in Zuekunft wieder meh Ziit nemed, zum enand zuelose. Ich glaub, mer profitiered alli devo. Ii däm Sinn wünsch ich Ihne allne än schöne und farbige 1. Auguscht. Gnüssed Sie s’gmüetliche Zämesii und dä frischi Wind us aagregte Gschpröch.

Uf wiiterhin gueti Nachberschaft!