SCHRIFTZUG
Gemeinde Ennetbaden
Grendelstrasse 9
5408 Ennetbaden
Tel. 056 200 06 01
 
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Geschichte

 

Ennetbaden, die 'Goldküste' der Region, wie dieses teils scherzhaft von Nachbarn gelegent­lich bezeichnet wird, ist eine der jüngsten politischen Gemeinden im Kanton Aargau. Ennet­baden wird 1150, allerdings bloss als 'Baden' erstmals erwähnt, als das Kloster St. Blasien Besitz im Siggamt erwirbt, stand aber schon zu jener Zeit in einem eigenartigen Verhältnis zur Stadt Baden. Die Besitzer der Badehöfe besassen das Bürgerrecht von Baden, während die Mehrheit der übrigen Einwohner 'Gotteshausleute' des Klosters St. Blasien waren, was komplizierte Verhältnisse auch bezüglich der Dienst- und Steuerpflicht zur Folge hatte. Die Zeit der Helvetik, die Zeit also des tiefgreifenden Wandels der Staats- und Gesellschaftsfor­men, führte zu ernsten Spannungen im Gegenseitigen Verhältnis, und schliesslich 1817 zum Begehren von Baden, der Dorfteil Ennetbaden sei loszutrennen und zur selbständigen Ge­meinde zu erklären! Beide Seiten gelangten an die Kantonsregierung. Die Abklärungen der Kommissionen des Innern endete schliesslich in einem Bericht und Dekretsentwurf des klei­nen Rates an den Grossen Rat des Kantons. Am 22. Dezember 1819 genehmigte der Grosse Rat das vorgelegte Dekret. Dieses besiegelte die Trennung und verpflichtete Ennetbaden, in­nerhalb der bestehenden Grenzen einen neue Gemeinde zu bilden. Baden hatte 10 000 Fran­ken an das Armengut und 5000 Franken an das Gemeingut zu leisten.

Die Einkünfte der jungen Gemeinde waren während Jahrzehnten sehr bescheiden. 1822 wurde ein eigenes Schulhaus gebaut, zum grossen Teil im Frondienst! Jeder Mitwirkende erhielt pro Arbeitstag eine halbe Mass Wein und ein Brötchen.

Auf Initiative der Badewirte wurde 1840 die Strasse entlang der Limmat, die heutige Badstra­sse gebaut. 1873 gewährte Ennetbaden einen Betrag von Fr. 32 000.? an den Neubau der 'Schiefen Brücke' und im folgenden Jahr wurde die gemeindeeigene Wasserversorgung ge­baut. 1880 zählte Ennetbaden 600 Einwohner, rund doppelt soviel wie im Gründungsjahr. Industrie hatte sich angesiedelt und begünstigte die Zuwanderung junger Leute. Mit einem Aufwand von 43 000 Franken, zuzüglich 4200 Franken für Landerwerb, wurde ein neues Schulhaus gebaut. Der Aufschwung der Firma Brown & Boveri bewirkte einen stetigen Be­völkerungszuwachs. Von 1850 bis 1900 wuchs die Einwohnerzahl von 451 auf 997 an und steigerte sich in den weiteren 50 Jahren auf 2573. 1970 wurden 3338 Einwohner gezählt. Bis ca. 1985 sank die Einwohnerzahl auf 2573 und geht nun wieder der 3000-Grenze entgegen. Diese Zahlen widerspiegeln die Konjunkturentwicklung und die Fremdarbeiterpolitik. Ennet­baden zählte 1990 217 Einwohner im Alter von 0 bis 14 Jahren und 453 über 65jährige. Ennet­baden ist ein Dorf der Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser und Mietwohnungen bilden einen kleinen Prozentsatz der rund 1250 Wohnungen.

In das Attribut 'Goldküste' spielt auch die 'Goldwand', der sonnige, milde und windge­schützte Südhang am Geissberg, mit hinein. Dieser relativ steile Hang ist einer der bekannte­sten Rebberge im Aargau. Auf über 650 Aren wächst und reift hier der 'Goldwändler', ein beliebter und begehrter Rotwein; aber auch der in den letzten Jahrzehnten angebaute weisse Riesling Silvaner ist ein von Kennern geschätzter Tropfen.

Die Thermalquellen am Fusse der Goldwand, mit den dazugehörigen Badehotels, bilden den Ennetbadener Teil des Kurortes Baden. Die aus dem unteren Aaretal vor den Hotels zwischen den Gaststätten und Geschäften vorbeiführende Strasse ist zur grossen Sorge für die Ge­meinde geworden. Dieser Ortsteil droht im zunehmnden Durchgangsverkehr buchstäblich zu ersticken. Geplant ist die Umfahrung Ennetbadens mit Hilfe eines weit ausholenden Tunnels, der aber nur im Zusammenhang mit dem Bau der Obersiggenthaler Brücke, die nach Baden führen wird, gebaut werden kann. Die Behörden stehen politisch und finanziell vor sehr schwierigen Problemen.

Aus dem Dorfkern heraus führen verschiedene 'Bergstrassen' hinauf in die schönen ruhigen Wohngebiete an den Abhängen von Lägern und Geissberg. Einfamilienhäuser und grössere Wohnbauten stehen hier, zum Teil halb versteckt, in gepflegten Gärten. Alt und neu ist bunt durcheinander gemischt: die verschiedenen Stilarten und Epochen, ein Abbild ihrer Bewoh­ner. In den letzten Jahren hat die Bautätigkeit wieder intensiv eingesetzt. Ennetbaden als Wohngemeinde hat offensichtlich an Attraktivität noch hinzugewonnen.

An öffentlichen Anlagen und Gebäuden fallen auf: die Schulanlage mit dem Gemeindehaus; die moderne und eigenwillige Michaelskirche, das Zentrum der Ennetbadener Katholiken. Auch die Reformierten haben vor wenigen Jahren beim 'Bachteli' ihr grosszügig konzipiertes Pfarrzentrum bekommen. Neuere Bauwerke der Gemeinde sind im weiteren das neue Bau­amts- und Feuerwehrmagazin, sowie die Alterswohnungen, als grosszügig geplante Siedlung am Lägernhang. Ganz hinten, am alten Weg zum Höhtal, liegt der Friedhof mit Abdankungs­halle. 1989 konnte zudem ein künstlerisch gestaltetes Gemeinschaftsgrab eingeweiht werden.

Kulturell lebt Ennetbaden, trotz einigen hoffnungsvollen Ansätzen zu einem kulturellen Ei­genleben, im Schatten der Stadt Baden. Casino, Kurtheater, Bibliothek, aber auch Schwimm­bad, Hallenbad und Sportanlagen sind von den Ennetbadener gerne aufgesuchte Stätten der Erholung und Weiterbildung.

Ennetbaden wird sich weiterentwickeln und grosse, dringliche Aufgaben müssen in den näch­sten Jahren gelöst werden. Mit dem Optimismus und Mut, die für das Gedeihen der Gemeinde in den letzten 170 Jahren wegleitend waren, kann die Zukunft wohl gemeistert werden.

 

Hermann Egger/Hans Bolliger

 

 

 

Geschichte der Schule in Ennetbaden